fantasmagorique

- être dans la lune

Gott lächelt 11 September, 2009

Gespeichert unter: Italien, Leben, andere Kulturen — fantasmagorique @ 12:08

Wieder so ein heiβer Morgen. Die Luft verbreitete das Gefϋhl, nicht atmen zu können, und der Gedanke an das Deo, das in der Eile aufzutragen vergessen wurde, erhöhte die Schweiβproduktion drastisch. Dabei hätte der Effekt sowieso nur eine mentale Wirkung erzielt, da der Schweiβ vielleicht nicht zu riechen wäre, aber die Kleidung macht jede kleine Bewegung in Form groβer mäandrierender Wasserflecken sichtbar. Und das alles, bevor das Bϋro ϋberhaupt erreicht ist.

Dieser Gedanke wurde durch den Blick auf fest zugeschnϋrte Lederschuhe in dem typischen Beige unterbrochen. In den Schuhen eine alte Dame, die – so machte es den Anschein- noch nie Schwierigkeiten mit dem Schwitzen hatte. Ihre dϋnnen Beine wurden von dicken, in einem dunklen Beigeton gehaltenen, selbstverständlich blickdichten, Strϋmpfen umhϋllt, und der Gedanke an winterliche Stulpen drängte sich dem Betrachter auf, weil sie ebenfalls diese kleinen und gleichmäβigen Ringe aufwiesen. Plötzlich näherten sich die Beine in langsamen Schritten.

Eine Nonne schaute mich durch groβe Brillenglaeser, wie man sie hoechstens noch von chinesischen Arbeitern zu Zeiten Maos kennt, an. Mit groβen Augen, was sicherlich an der Glasdicke liegen musste, die auffallend lächelten. Ob ich wisse, wann denn die 19 komme, denn sie warte schon mehr als eine Stunde.

Eine Stunde! Der Gedanke an die dicken Strϋmpfe lieβ die Flecken auf meiner luftigen Bluse noch gröβer werden. Diese der Situation ergebene Geduld – in dieser Wärme – erzeugte zunächst eine gewisse Sprachlosigkeit. Doch ihr erwartungsfrohes Lächeln ermöglichte doch noch eine Antwort.   

Auch ich wusste nicht, warum keine 19 komme. Sie durchschaute schnell, dass sich hinter der dem römischen Umfeld angepassten Optik doch keine Italienerin verbarg. Aber das störte sie nicht weiter. Statt dessen ϋberlegte sie, welche Sprache uns am besten neben dem Werkzeug Hand ein Gespräch ermöglichen könnte.

„Inglese? Scusa, no. Sprichst Du Spanisch?“ – „Nein, aber Französisch.“ – „Oh, herrlich! Ist ja fast Italienisch, nicht? Okay, dann mal los. Aber, ich muss noch sagen, das ist schon fast 30 Jahre bei mir her.“

Entsprechend klang es auch, und letztlich einigten wir uns auf Italienisch mit französischen und spanischen Einflϋssen, gepaart mit einer theaterhaften Gestik. Auf dem Weg zu einem Busfahrer, der gerade auf einer Bank saβ und in die Lektϋre des Sportteils vertieft war, blϋhte die alte Dame immer mehr auf, weil sie sich so freute, dass ihr Französisch ja fast noch so wie frϋher war, als sie junge Schwestern in Belgien ausgebildet hat.

Die tiefen Lachfalten froren jedoch ein, als sie dem Busfahrer tief in die Augen schaute und wissen wollte, was denn hier in Rom schon wieder los sei. Er meinte nur, ohne seine Augen auch nur einen Moment von den Fussballergebnissen abzuwenden, dass wir es ja wohl sehen, die Bahn fahre nicht. Dann sollen wir eben anders fahren. Gut.

Ihre Robe flatterte durch die schnellen Schritte auf den dϋnnen, dick bestrumpften Beinchen. „Dio, ich bin schon viel zu spät!“ Auf dem Weg zur Metro fragte sie, was denn jemanden aus Deutschland nach Rom verschlage. Es sei doch so schön dort! Vor allem „Munster“ und „Osnabruck – che bello!“ Sie sie eigentlich Kolumbianerin, und da wir nur unter uns seien (Gott hat in diesem Moment sicherlich auch weggehört), könne sie ja offen reden: „Die Italiener – also wirklich! Keine Ordnung, immer laut, und alles werfen sie auf den Boden! Weißt Du, wir Kolumbianer sind ja auch nicht gerade Vorbilder, aber Italiener sind doch Europäer! Ihr Deutschen mögt es doch auch immer blitzeblank!“

Die Metro erreichte ihr Ziel, und die gesuchte Bahn – die Straβenbetriebe hatten sie wieder umgeleitet – erreichte unser Blickfeld. „Très bien. Weißt Du, ich muss zur kolumbianischen Botschaft, um meinen Fϋhrerschein abzuholen. Aber ich hab dem Bischof schon gesagt, ich verspreche ihm nicht, dass ich in diesem Chaos hier auch fahre!… Und das ist es wieder! Soll ich Dir mal etwas verraten?“ – Noch ein Geheimnis, das Gott vielleicht nicht erfahren sollte.

„Allora…non alors, ich musste hier vorher zum Straβenverkehrsamt fϋr einen Test. Man sagte mir, dass sie meine Sehkraft ϋberprϋfen wollten und solche Sachen. Und weißt Du was?“, nun lehnte sie sich ganz nah zu mir rϋber, „Die haben mich nur kurz gefragt, ob ich Probleme mit dem Sehen habe. Wenn nicht, dann ist es okay. Nicht mal ein Test, ob ich ϋberhaupt noch was sehen kann! Dabei flunkern die Römer doch alle! Verstehst Du jetzt, warum die alle so verrϋckt fahren?“

Sie schaute mich an, lachte laut los, und drehte sich anschlieβend etwas verschämt zu einem jungen Mann um, der uns nur einen recht verständnislosen Blick zuwarf. 

Am Ende stellte sich heraus, dass wir beide das gleiche Ziel hatten, die Via Mangili. Als wir uns verabschiedeten, meinte sie nur: „Ma fille, es war schön, Dich kennen gelernt zu haben. Nun geh mit Gott. Dio ti protegga.“ – Ich glaube, er war die ganze Zeit mit einem Lächeln im Gesicht dabei.

 

Sommerlicher Adventskalender 4 August, 2009

Gespeichert unter: Italien, Leben, andere Kulturen — fantasmagorique @ 7:35

Der August ist in Rom wie auch in anderen Teilen Italiens kein ganz normaler Monat – und das liegt nicht nur ander Hitze. Ein richtiger Italiener dreht in dieser Zeit seiner Stadt den Rücken zu. Was bleibt, ist die Hitze und verschlossene Geschäfte. Straßenzüge sehen aus wie nach abgeschlossenen Vorbereitungen zu einem G8-Treffen, als erwarteten die Besitzer einen Ansturm von gewaltbereiten Gegendemonstranten.

Rollläden und heruntergelassene Gitter überall. Nur selten streift der alte Mann aus dem Nachbarhaus mit der leicht schief sitzenden Hornbrille mit seinem alten – ebenfalls von Arthrose geplagten – und treuen Gefährten zu der letzten noch geöffneten Bar für einen kleinen Caffè durch das Prati-Viertel. Der Hund an seiner Seite wirkt nun seit einigen Tagen noch behäbiger und stets gut gefüllt mit süßen Biscotti.

Gegen 08.30 Uhr umweht ein warmer und sehr trockener Windhauch um die Nasenspitze. Der Gedanke, noch vor dem ersten Caffè Sonnencreme aufzutragen, wird recht schnell wieder verworfen. Auch hier übt der Stolz so vieler Italieners langsam einen gewissen Einfluss aus.

Es geht wie jeden Morgen ins Büro. Bereits vor einigen Wochen zeichnete sich in Bezug auf den öffentlichen Nahverkehr eine merkliche Veränderung ab. Die wirklichen Ausmaße wurden jedoch erst mit dem 1. August schlagartig deutlich. Die Bahn, die zuvor in weniger als 20 Minuten fast direkt bis vor die Bürotür fuhr, fährt einfach nicht mehr. Die Gleise müssen erneuert werden. Gut, ein Blick auf die Straße ruft uneingeschränktes Verständnis hervor.

Interessant ist jedoch eine andere Sache: die Gleise werden nicht Stück für Stück in eine Fahrtrichtung ersetzt. Derzeit gibt es rund 10 Stellen, an denen mehr oder weniger fleißig gearbeitet wird. Da die Römer alle die Stadt verlassen haben, kann sich ja auch niemand mehr beschweren.

Denkt denn niemand an die junge Frau, die im Namen der Völkerverständigung jeden Tag ihren Weg ins Büro antritt?

Zunächst einmal muss das Prinzip verstanden werden. Es ist zwingend, jede Haltestelle nach einem kleinen und handbeschriebenen Hinweis zu untersuchen. Der Hinweis der römischen Verkehrsbetriebe ATAC teilt schließlich mit, dass die Bahn nicht mehr fahre. Immerhin haben sie es wohl auch schon feststellen können. Man müsse sich zur Piazza Flaminio begeben, und von dort die Straßenbahn nehmen. Dort angekommen (mit der Metro, das muss man vorher erst einmal selbst herausfinden), steht die Bahn in der Tat bereit zur Aufahrt.

All das hat auch einige Tage gut funktioniert. Doch an einem Morgen gab es plötzlich auch dort keine Gleise mehr. Und selbst der Kioskbesitzer direkt neben der Haltestelle wirkte sehr ratlos und zuckte nur mit den Schultern. Was bleibt, ist die Suche nach dem kleinen Hinweisschild auf einem doch recht großen Platz. Das Auffinden dieses Schnipsels erzeugt ähnliche Glücksgefühle, wie das Öffnen des Adventskalendertörchens kurz vor Weihnachten. Die Spannung steigt -  in diesem Fall allerdings nicht nur im positiven Sinne.

Auch das Gefühl, man kenne doch schon den Inhalt des nächsten Törchens… es wird spätestens am nächsten Morgen wieder außer Kraft gesetzt. Die Schokolade ist plötzlich weiß, und auch der Weg zur Arbeit ist schon wieder ein ganz anderer.

Inzwischen hat ATAC es geschafft, dass ich bei jeder Fahrt 5x umsteigen muss, und Teilstrecken zu Fuß laufe, weil gar kein Ersatzverkehr vorgesehen ist. Die neue Fahrzeit beträgt (vorläufig) rund 1,5 Stunden für eine Strecke.

Ein Gedanke bereitet doch gewisses Unbehagen: Wann kommt das letzte Törchen des Kalenders mit der ganz großen Überraschung?

Einen Vorgeschmack gab es bereits heute. In einem Bus fragte eine Frau den schon recht alten Mann, der neben ihr an der Tür stand: „Entschuldigen Sie, aber fährt dieser Bus zur Piazza Flaminio?“ – „Hoffen wir’s.“

 

Lebende Uhren 5 Juni, 2009

Gespeichert unter: Italien, Leben, andere Kulturen — fantasmagorique @ 11:04

Es fing alles mit der Eitelkeit an.  Vor rund drei Wochen mit dem Verlassen des Flugzeugs wurde die Armbanduhr vom Handgelenk hinein in die Tasche verbannt. Vorbei sind die Zeiten, da man in der Schule stolz untereinander verglichen hat, wer das „weißeste“ Mal unter der Uhr trägt. Das Mal, das davon zeugt, dass der Urlaub zwar vorbei ist, aber die Reise schön war, und man auch eine entsprechende Bräune mit im Gepäck hat.

Heute als Erwachsener bevorzugt ich doch eher die nahtlose Bräune – glücklicherweise. Welch Schauspiel, wenn der Besuch nach der Ankunft in Rom mit unsicherem Blick die Uhr entfernt, in der Furcht, dass der Arm rund um den Chronographen farblich nicht konkurrieren kann, weil die Sonne Deutschland gemieden hat.

Mit Beginn der Arbeit im Büro kam die Uhr jedoch wieder an das Handgelenk. Jedoch nur für einen Tag. Dann versagte die Batterie, und mir fiel auch ein, an was ich bei den Reisevorbereitungen nicht gedacht hatte. In Anbetracht des Koffergewichts wurde auf eine Ersatzuhr verzichtet. Leichte Panik breitete sich aus, denn einige Menschen – zu denen ich auch gehöre – können das Haus nicht ohne eine funktionstüchtige Uhr verlassen. Diese Menschen lässt der Gedanke erschaudern, zukünftig und vielleicht auch zeitgemäß auf das Handy zu schauen.

Doch, was ist passiert? Das Handy wird weiterhin nur aus der Tasche genommen wenn es klingelt, aber die Uhr fehlt dennoch nicht am Handgelenk. Das Gefühl der Nacktheit stellte sich nicht ein. Da die Frage nach dem „Woran liegt’s?“ immer häufiger gestellt wird, soll ihr nun hier auch auf den Grund gegangen werden.

Mal abgesehen vom Blick auf den immer viel zu früh eingestellten Wecker stellt sich während des ganzen Tages kein Bedürfnis ein, die Uhrzeit zu kennen. Im Büro folgt alles nach einem festen Ablauf, und spätestens um 13 Uhr meldet sich der Pranzo-Kollege zu Wort und läutet mit dem Aufsetzen der Matrix-Sonnenbrille den Beginn der Mittagspause ein. Da die Einhaltung von Outlookterminen nicht sonderlich genau genommen wird, liegt man zeitlich nie falsch, wenn man eine Aufgabe erst einmal beendet, bevor es zu einem Gespräch geht. Dass es Zeit für den Feierabend ist, merkt man an den schweigenden Telefonen und Handys, die sonst synchron im Minutentakt energisch erklingen.

Den Bus kann man nicht verpassen, weil er sowieso nicht kommt. Man hat Zeit in Rom. Gerade so als wollten die Römer es auch jedem neuen Einwohner als Hinweis mit auf den Weg geben: die Uhren an öffentlichen Gebäuden funktionieren auch nicht. Manchmal kommt das Gefühl auf, die Armbanduhr neigte nur zur schnellen Anpassung an die Umgebung.

Angekommen zu Hause, bei einer kleinen Pause auf dem Balkon weiß ich sofort, wenn das Kochen nicht länger warten sollte. Pünktlich um 20 Uhr nimmt eine Horde von mindestens 500 Spatzen die Bäume unterhalb meines Balkons ein. Sie zwitschern so laut, wie man es sonst nur von den Italienern selbst kennt. Später nach dem Essen, nun mit einem Tee auf dem Balkon sitzend, sieht man im Haus gegenüber einen Nonno auf seinem kleinen Balkon mit neuen Klimageräten kämpfen. Die Nonna steht daneben und schimpft, weil er zu langsam ist. Denn, pünktlich um 20.30 bzw. 20.45 Uhr – je nach Sender – beginnt eine der täglichen Spielshows bei den Haussendern von Silvio.

Hupen, es ist 21.30 Uhr. Die letzten entnervten Römer kommen aus den Büros und wollen so schnell es geht nach Hause. Knatternde Vespas kündigen verspätete Herren um die 50 im Maßanzug mit ihrem Klapphandy am Ohr unter den modischen Motorradhelmen an.

Wenn es noch einmal laut wird, dann wird es Zeit, sich langsam auf den Weg ins Bett zu machen. Es ist 23.00 Uhr, und die Stadtreinigung kehrt die Gehwege. Ein lautes Quietschen erinnert mich um 23.30 Uhr daran, dass ich jetzt wirklich ins Bett gehen sollte. Die Leute von der Müllabfuhr sind da, pünktlich wie die Feuerwehr, aber sie ist erst für 01.00 Uhr vorgesehen auf meiner Uhr.

 

Ulrich Wickert für Fortgeschrittene 23 Mai, 2009

Gespeichert unter: Italien, andere Kulturen — fantasmagorique @ 6:36

Der Fernsehbericht von Ulrich Wickert als Auslandskorrespondet in Paris aus dem Jahr 1995, in dem er anschaulich erklärt, wie man am besten den Place de la Concorde mit seinen sieben Fahrspuren überquert, hat über die Jahre einen besonderen Platz in dem Archiv der ARD eingenommen. In den meisten Reportagen über Ulrich Wickert wird auch ein Ausschnitt des Berichts gezeigt. Über die Jahre wurde der Gang über den Place de la Concorde sogar vielfach kopiert:

Wie aber auch in diesem Video zu sehen ist, eine wirklich Herausforderung ist es eigentlich nicht. Das Einatmen der ganzen Autoabgase der 90er-Jahre -damals noch ohne Rußfilter- schien da letztlich gefährlicher für den Probanden zu sein.

Wer jedoch nun sagt, das schaffe ich mit links, dem sei der Hinweis gegeben, er möge sich doch statt Paris besser Rom für eine Reise mit entsprechenden Ambitionen aussuchen.

Denn gemessen an den noch zaghaften Parisern ist der klassische Römer hinter dem Steuer eines Atac-Busses (der Name gibt schon Hinweise), einer alten Vespa oder eines von anderen mutigen Fahrern gezeichneten Autos ein ganz anderes Kaliber. Damit sind verbeulte, zerkratzte oder sogar noch sehr neue Pkw mit abgebrochener Stoßstange gemeint.

Auch wenn die Straßen nicht mit sieben Spuren ausgestatt sind, kann der gefühlte Weg durchaus länger sein. Möchte der Tourist oder Zugereiste nur mal eben die Straße überqueren, so beginnt ein Abenteuer der besonderen Art. Auch wenn er noch nicht zu sehen ist, der mittelalte, rundliche und großflächig bebrillte Italiener. Der Römer mit dem halb aufgeknöpften Hemd, das dem dichten und von der Hitze verschwitzten Brusthaar die Möglichkeit gibt im Fahrtwind zu trocknen, kündigt sich an.

In der Regel ist es ein Hupen, zwischenzeitlich gepaart mit einem lauten Schimpfen, welches die Touristen erstarren lässt. Der Amerikaner nimmt erfurchtsvoll die edle Sonnenbrille von der Nase und zieht den Sportschuh mit der besonders dicken Sohle vorsichtig von dem ersten Teilstück des Zebrastreifens zurück. Auch die asiatischen Touristen schauen verschämt über den die Stirn kühlenden Fächer hinweg und zucken zusammen. Nein, wer da im wahrsten Sinne des Wortes so angebrettert kommt, den sollte man lieber fahren lassen. Sei es drum, dass man als Fußgänger beim Überqueren des Zebrastreifens Vorrang hat.

Die Kleingruppen bleiben sodann wie angewurzelt stehen. Was aber passiert? Ein Hupkonzert beginnt, der Busfahrer zieht mit der Express-Linie haarscharf am Fuß der jungen Japanerin in den Sandalen vorbei. Zunächst kommt der Gedanke der Rücksichtslosigkeit auf, doch im Gespräch mit einer italienischen Arbeitskollegin wendet sich der Blick eher in Richtung konsequentes Zeitmanagement.

„We are busy, busy and busy. You know?“, sagt sie mit ihrem charmant ausgeprägten Akzent.

Also noch einmal von vorn. Wer es eilig hat, sollte niemals beim Überqueren der Straße anhalten. Für den Zugereisten heißt es, nicht gucken, einfach gehen. Es wird nichts passieren, es sei denn, der Lauffluss wird unterbrochen. Ein Römer auf 2-4 Rädern rechnet damit nicht. Er fährt immer weiter, notfalls umfährt er den Fußgänger. Er fährt ihn jedoch niemals um.

Deshalb locker und lächelnd die Straße überqueren und niemals vergessen, sich die Sonnenbrille zuvor elegant ins Haar stecken. Wenngleich sich bei diesem Anblick die weitgereiste Touristin schockiert die Hand vor den Mund hält, und mit aufgerissenen Augen das Geschehen beobachtet… Nachdem man die Straße entspannt passiert hat, ist im Hintergrund wieder das nicht endende Geräusch zu hören, welches eine schwere Hand auf der Hupe eines fluchenden Römers vermuten lässt. Ein Tourist steht wieder verzweifelt auf dem Zebrastreifen.