fantasmagorique

- être dans la lune

Krisengeschüttelt 4 Februar, 2009

Gespeichert unter: Krise — fantasmagorique @ 10:47

Nach mehreren Monaten Pause nun heute die Rückkehr. Mit einem Paukenschlag. Und er klingt so: Krise!

Krise überall, und wir mittendrin. Alles fing ganz harmlos mit einer Finanzkrise an, mündete in eine Wirtschaftskrise, und etwa zeitgleich erreichte mein Blog eine Struktur- und Identitätskrise. Nun bin ich wieder da. Mit einer inhaltlichen Neuausrichtung und neuen Ideen im Gepäck. Und der Auslöser ist, wie soll es anders sein, eine Krise.

Man könnte sie mit Sinnkrise umschreiben. Wenn man dieses Wort bei Google eingibt, so trifft man recht schnell auf die Beschreibung, dass es sich dabei um einen Zustand handelt, in dem man wirklich unzufrieden wird.

Das alles hat aber weniger mit dem Leben zu tun, sondern mit der Art und Weise, als junger Absolvent sein Geld zu verdienen. Grundsätzlich kann ich mich nicht beklagen, da ich nun für achtzehn Monate über ein regelmäßiges Einkommen verfügen werde. Das Problem ist vielmehr woanders zu suchen.

Da diese Zeiten der Massenkrisen auch erneut alte Bekannte wie Herrn Marx und den nicht zu unterschätzenden Herrn Keynes wiederauferstehen lassen, möchte ich mich wie folgt ausdrücken: Nach der klassischen Arbeitswerttheorie ist es für den Produzenten notwendig, dass der Arbeiter mit seiner Leistung einen Mehrwert erarbeitet, welcher die reinen Reproduktionskosten überschreitet. Für den Arbeiter selbst beinhaltet diese Zeit jedoch keinen Wert. Der Gewinn des Produzenten ergibt sich gemäß dieser Auffassung letztlich aus der Ware Arbeitskraft.

Im Studium habe ich mich sehr viele Monate mit dieser Theorie beschäftigt  habe jedoch immer die Realitätsnähe vermisst. Nun ist sie da. Und da ist auch wieder die Sinnkrise.

Jeden Tag bin ich fünf Stunden unterwegs, um ins Büro und auch wieder nach Hause zu kommen, doch nie habe ich das Gefühl, dass dieser Tag mit einer sinnvollen Tätigkeit gefüllt war. Ich suche verzweifelt nach dem Wert. Auch ist es erschreckend, wie die Menschen vor Ort scheinbar nichts von den Veränderungen um sie herum mitbekommen. Die Banken kollabieren, die ersten Anzeichen einer neuen Entlassungswelle sind unübersehbar, doch die Menschen rühren in einer Seelenruhe den Instantkaffee in eine Prozellantasse mit aufgedrucktem Glücksklee, um ihn dann in einer langen Pause in kleinen Schlucken zu trinken.

Man könnte meinen, der Gesellschaft wäre der Ernst der Lage entgangen, und darum möchte ich an dieser Stelle auf den lesenswerten Artikel von Marc Brost und Bernd Ulrich aus der ZEIT verweisen.  Sie sprechen genau das aus, was ich gerne zu meinen Kollegen im Büro sagen würde: „Jetzt mal ehrlich“