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- être dans la lune

Pariere, lieber Bewerber! 5 September, 2008

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Bei der regelmäßigen Lektüre des Job-Newsletters der ZEIT bin ich heute in der Septemberausgabe auf eine interessante Überschrift gestoßen. Da für mich auch bald die Zeit beginnt, regelmäßig Bewerbungen zu schreiben und -hoffentlich- auch der Durchlauf einiger Bewerbungsgespräche, habe ich mir den Abschnitt zum Thema „Fangfragen parieren“ einmal etwas genauer durchgelesen.

Wie verhalte ich mich also einem Personalverantwortlichen gegenüber richtig?

Die ZEIT hat sich hierbei Rat von den Buchautoren Carolin und Heiko Lüdemann geholt und verweist anschließend auch auf das entsprechende Buch („Fangfragen im Vorstellungsgespräch souverän meistern“).

Was geben die beiden Experten einem jungen Bewerber denn nun mit auf den Weg?

Ich zitiere aus dem Newsletter:

„Der Personaler will wissen, wie Sie zu Überstunden stehen. Sie sagen: ‘Kein Problem, die habe ich beim letzten Job auch abgerissen, Arbeit lässt sich eben nicht immer im Voraus planen.’

Das ist die falsche Antwort, sagen Carolin und Heiko Lüdemann. Tatsächlich klingt das nämlich so:

‘Ich komme selten mit meiner Zeit aus, daran habe ich mich schon gewöhnt, und mein Privatleben ist mir auch nicht sonderlich wichtig.’

Das geht besser, sagt das Autorenpaar.“

So sehr kann man sich also täuschen. In der Kurzbeschreibung zum Buch lese ich bei amazon.de :

„Ein Übungsbuch, das Meister macht.“

So sollen also die zukünftigen, meisterhaften Bewerber aussehen? Gerade die ZEIT hat in ihrer letzten Ausgabe vom 28. August in einem großen Artikel über ‘Die traurigen Streber’ berichtet. Jens Jessen fragt dort treffend, wo die Kritik und der Protest der Jugend geblieben ist. Fast alle jungen Menschen unterliegen aus seiner Sicht heute einem „erbarmungslosen Leistungs- und Anpassungsdruck [...]  (in der stillen Hoffnung) so schnell wie möglich zum Haifisch zu werden“. Recht hat er. Traurig ist diese Feststellung zugleich auch.

Eine ganze Generation wird scharf für ihr Verhalten kritisiert, und gleichzeitig drücken die Kritiker den Berufsanfängern, die „…bis zur Charakterlosigkeit jede Bedingung, jede eingespielte Dummheit und jede ethisch bedenkliche Praxis (akzeptieren)“ ein Buch als Tipp in die Hand, welches Menschen dazu motivieren soll, überzeugend zu vermitteln, dass ihr Privatleben ihnen sowieso nicht sonderlich wichtig ist.

Wäre ich Personaler, und ein Bewerber würde im Brustton der Überzeugung diese Aussage treffen, er käme nicht in die engere Wahl. Das Wort allein sagt schon, dass der Mensch auch über Menschlichheit verfügen muss als wesentliche Kompetenz. Die Wirtschaft braucht keine gleichgeschalteten Bewerber, die mit einem leeren Blick ihre auswendig gelernten Sätze abspulen.

Gleichzeitig ist aber auch der Bewerber gefragt. Er muss den Mut haben, eine Meinung haben zu dürfen, die nicht indirekt beinhaltet: Privatleben? Brauche ich nicht, ich arbeite doch.

Mutig sind nur die Menschen, die sich ihr Denken und auch nicht ihre Gefühle verbieten lassen. Nur dann können sie auch die von der Wirtschaft geforderte Leistung erbringen – freiwillig, weil sie gerne arbeiten.