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- être dans la lune

Komplexe Zeitfunktionen steigern Bohnenkompetenz 24 April, 2008

Gespeichert unter: Leben — fantasmagorique @ 8:34

Die Zeit in der Ferne ist vorbei, und nun stehen die harten Fakten im Vordergrund. Meine Diplomarbeit. Das Problem: Zeit und Kopf wollen nicht korrelieren.

 

Grundsätzlich wäre die allgemeine Korrelationsregel anzuwenden, aber da es sich in diesem Fall um eine „komplexe Zeitfunktion“ handelt – Wie kann ich es schaffen, dass Datum (= Zeitpunkt der Abgabe) und Attribut (=zu schreibende Diplomarbeit) auf eine vernünftige und vor allem für eine Studentin erträgliche Art und Weise miteinander korrelieren? – , ist auf folgendes Korrelationsintegral zurückzugreifen:

 

 

Vernünftigerweise müsste nun eine mathematische Herleitung erfolgen, aber angesichts der Tatsache, dass diese „komplexe Zeitfunktion“ gegen mich arbeitet, verzichte ich ausnahmsweise darauf. ;-)

 

Stattdessen nehme ich mir den guten Rat zu Herzen, meinen Geist zwischendurch auch mal mit einem Kaffee auf neue – bislang ungeahnte – Höhen zu bringen. Das Schreiben der Diplomarbeit ginge dann mit „neuer Energie“ wie von selbst. (Wer diese Wortwahl versteht, der kontaktiere mich bitte, denn als Preis ist eine gute Tasse Bohnenkaffee ausgeschrieben.) Nun gut. Für mich als Minimalkonsumentin von Kaffee wird eine „gefleckte Milch“ sicherlich eine ähnliche Wirkung erzielen.

 

Nun steht der heiße Latte Macchiato direkt neben mir, und schon erfasst mich wieder das typische Leiden eines Diplomanden, das auch umgangssprachlich „Sendung-mit-der-Maus“-Syndrom genannt wird:

Warum ist das so? Wenn mir niemand den Grund sagen will, dann finde ich es eben allein heraus. Und wenn ich dafür dicke Buchbände durcharbeiten muss, irgendwo findet sich die Lösung mit Sicherheit.

 

Nebenbei bemerkt, dieses Syndrom ist auch sehr hilfreich, eine Begründung zu finden, das Schreiben der Diplomarbeit für eine – wirklich nur ganz kurze Zeit (gefühlt) – zu verschieben. Schließlich muss der Kopf frei sein für das erfolgreiche Korrelieren von Zeit und Kopf. Selbst ein prinzipiell so harmloses Getränk wie eine gefleckte Milch führt da schon zu Interferenzen.

 

Das Interferometer schlägt aus, und darum wird das inzwischen nur noch lauwarme Getränk genauer untersucht.

 

Es heißt, Latte Macchiato rege zu meditativen Prozessen an durch das leichte und sanfte Schwingen der einzelnen Schichten. Aber warum tun sie das so langsam? Wissenschaftler sagen, die Schwerkraft ziehe an ihnen wie ein Gummiband, da sowohl Kaffee als auch Milch eine ähnliche Dichte haben. Bei Wasser und Luft ist es genau andersherum. Der Kaffee schwimmt oben, obwohl Milch eine größere Dichte hat, da dieser heißer als die Milch ist, sich folglich ausdehnt und die Dichte somit verringert.

 

Die meditative Phase ist noch schneller vorbei, wenn dem Kaffeetrinker bewusst wird, welch besonderes Getränk er vor sich stehen hat. Jeder Chemiker bekäme leuchtende Augen. Und das nicht ob des vermeintlichen Koffeinschubs, sondern beim Rösten der Bohne entfalten sich circa 1000 Aromen. Der traditionelle Teetrinker fühlt sich jedoch bestätigt, wenn er hört, dass eines der stärksten Aromen aus Chemikersicht nach Katzenurin riecht. Für den Kaffeeliebhaber ist das jedoch der „besondere“ Duft, der so richtig in die Nase steigt.

 

Ist man sich plötzlich nicht mehr so sicher, ob der Kaffee wirklich noch schmeckt mit dem neuen „Duft“ im Hinterkopf und daher lieber ein bisschen wartet, so bemerkt der aufmerksame Beobachter, dass die Schichten sich irgendwann – ganz langsam – doch miteinander vermischen. Milchtröpfchen und Kaffeepartikel vermischen sich. Auch Einstein mochte wohl Tee, denn für die sogenannte „Brownsche Bewegung“ (wie passend) entwickelte er die Formel.

 

Derjenige, der aber einfach mutig einen Löffel Zucker in die Tasse gleiten lässt, der erlebt hautnah den „Mischungsprozess im Mehrphasensystem“.

 

Wer findet da noch Zeit, einen Schluck dieses besonderen Getränks auf die hinzugewonnene Bohnenkompetenz zu nehmen?

 

Also, meine Zeitfunktion ist inzwischen noch komplexer geworden, aber brauchen nicht alle Diplomanden eine gewisse Portion gesunder Bohnenkompetenz? J

 

(Wer diese noch etwas erweitern möchte, der greife doch zu der Zeit Wissen Ausgabe 5/2006. In Verbindung mit Latte Macchiato steht der Kompetenzerweiterung nichts mehr im Wege.)