fantasmagorique

- être dans la lune

Die unfeministische Emma 1 März, 2008

Gespeichert unter: Berlin — fantasmagorique @ 9:45

Es ist ja immer gleich mit dem Leben: Absehbarkeit wäre zu langweilig. Seit dem letzten Sommer war ich eigentlich immer unterwegs, sei es in einer Stadt mit 42.000 oder 3,6 Millionen, und heute wird diese Zeit abgeschlossen. Aber wie es zu einem dieser Zeit entsprechenden Ende gehört, reist man nicht einfach so still und leise ab. Auch wenn ich das bis gestern noch dachte. Eigentlich. Dennoch hätte es mich nicht wundern sollen. Wenn da jemand ankommt und voller Selbstbewusstsein behauptet, sie sei „arm aber sexy“, und das dann auch noch Luxus sei, so ist es kein Wunder, wenn vielleicht bei mehr als nur einer Emma der Spaß aufhört. 

Eine EMMA wird innerlich kochen wie ein Orkan ob dieser Aussage, eine andere Emma wird gleich zum Orkan. Unschön an der ganzen Situation ist nur, dass die lieben Damen ihre Streitigkeiten nicht untereinander ausmachen. Statt dessen rappelt Emma voller Wut um sechs Uhr morgens – man bedenke, heute ist Samstag – an meinen alten und klapprigen Fenstern herum, dass an Schlaf nicht mehr zu denken ist. Wenn ich dann doch dezent und halb verschlafen aus dem Fenster schaue, frage ich mich, wie ich das alles finden soll. Es stürmt nicht nur, sondern es regnet so sehr, dass es schon keine Tropfen mehr sind, die gerade vom Himmel fallen. Das nenne ich, in Anbetracht meine baldigen Rückkehr nach Hause, nur noch: plästern!

Da wirkt ein Satz, der mir in netter Absicht gestern zum Abschied gesagt wurde aus heutiger Sicht doch ein wenig sakrastisch (zu diesem Zeitpunkt schien noch die Sonne, und ein zartes Gefühl von Frühling breitete sich im sonst so dunklen Berlin aus) : „Mensch, da zeigt Berlin sich Dir zum Abschied ja nochmal so ganz von seiner besten Seite!“ Ja, in der Tat …

Es war alles noch nicht so dramatisch, wenn da nicht noch etwas wäre, was mich nicht ganz entspannt auf den Zug warten lässt. Meine Tasche. Ja, ein altbekanntes Thema bei mir, aber heute ist es besonders unschön. Insbesondere eine Tatsache lässt mich stutzen: am Ende eines Semesters in Irland ging die Tasche zu – ich erwähne nun nicht, dass ich noch einige Pakete zuvor nach Hause schicken musste, und dass die Dame am Schalter bei 28 kg Gewicht nur mit steifer Miene ein rotes Schild mit „heavy“ befestigte und schwieg-, aber nach zwei Monaten Berlin geht gar nichts mehr.

Inzwischen habe ich die Tasche mehrmals aus- und eingepackt, mich von Sachen getrennt, aber es geht nicht. In meiner aufkommenden Panik setze ich mich immer mal wieder auf die Tasche, esse etwas (jedes Gramm zählt) oder versuche mit mentaler Stärke die Sachen wie die Autopresse von Tempelhof in ein handliches Päckchen zu verwandeln. Aber es scheint hoffnungslos.

Selbst wenn man als optimistischer Leser davon ausginge, dass es schon irgendwie – auch wenn mir niemand das „Wie“ derzeit erklären vermag – klappen wird, so bleibt ein weiteres Problem. Ich wohne hier im dritten Stock. Altbau, wo die Wände besonders hoch … und die Treppen besonders lang sind. Wer ist in einigen Stunden, wenn die Tasche mit roher Gewalt (hoffentlich nicht) verschlossen wurde (hoffentlich) schneller unten? Die Tasche oder ich? Natürlich habe ich so weit mitgedacht, dass sich bequeme, gut am Boden haftende Schuhe besser machen als schöne Schuhe mit Absätzen, aber ich habe dennoch das ungute Gefühl, dass der Weg später nach unten nicht ganz konventionell wird.

Dass ich da ausnahmsweise auf den Bus verzichte, muss ich wahrscheinlich auch nicht erwähnen. Es ist schließlich nicht so, dass ich „nur“ diesen Zentner von Tasche transportiere, sondern auch noch zwei andere Taschen auf mich warten, sog. „Handgepäck“ sowie mein Notebook. Mal abgesehen davon, dass ich mit den ganzen Taschen in der Tür vorne beim Busfahrer stecken bleiben werde, müsste ich mir bei ihm auch noch ein Ticket kaufen, da mein Februarticket mit dem heutigen Tag natürlich verfallen ist, und ich irgendwie noch nach Kleingeld in der Tasche suchen müsste.

Selbstverständlich startete der Busfahrer dann erstmal wieder eine für Berlin typische „Freundlichkeitsoffensive“, dass ich alles blockiere und mich ma janz flott in den Bus begeben soll, sonst könnte ich auch laufen. Zwar bin ich zu sehr Rheinländerin, als dass mir das den Tag verhageln könnte, aber ausnahmsweise werde ich dann doch auf andere Verkehrsmittel zurückgreifen, um zum  nur wenige Minuten entfernten Hauptbahnhof zu kommen. 

Da es aber gerade erst einmal kurz nach acht Uhr ist, der Zug aber erst in knappen sechs Stunden abfährt, werde ich mich mit einem Buch bewaffnet auf die Tasche setzen und hoffen, dass es hilft.

Eine Realistin auf Wunder wartend.

 

One Response to “Die unfeministische Emma”

  1. Chouchou Says:

    Da ist wohl in der Tat ein Wunder geschehen! ;-)


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