fantasmagorique

- être dans la lune

icebound 6 Januar, 2008

Gespeichert unter: Berlin — fantasmagorique @ 8:32

Kalt, sehr kalt… Meine Beine sind taub, die Nase wird zu einem rötlichen Eiszapfen, und die Ohren ähneln Kroepoek, das genussvoll von zwei Händen zerbrochen werden kann. Prima. So habe ich es mir vorgestellt, aber nicht in meinen Träumen. Vielleicht bin ich nach Irland temperaturtechnisch auch ein wenig verwöhnt, aber Berlin ist so kalt, dass Worte wie frostig, frisch oder eisig nicht passten. Natürlich habe ich nicht erwartet, dass Berlin mich in schönstem Sonnenschein erwartet, aber trotzdem: Temperaturen wie in Moskau hatte ich bei meiner Kleidungsauswahl für den Koffer auch nicht im Hinterkopf.

Berlin ist mir keine unbekannte Stadt, aber zumeist war ich dann doch zu wärmeren Jahreszeiten hier. Verstanden habe ich es nie so ganz, dass sich aber die Fellmützen aus vergangenen Zeiten konstant gut verkaufen. Ich dachte immer, so viele Touristen kann es doch gar nicht geben, die mit so einer Kopfbedeckung freiwillig durch die Gegend streifen wollen. Ich habe mich geirrt. Diese Fellmützen sind kein Relikt der ehemaligen Sowjetunion, sie dienen einzig und allein dazu, die Menschen hier vor dem Erfrieren zu bewahren. Und im Sommer werden sie so zahlreich verkauft, weil genau dann, wenn man aus lauter Verzweiflung selbst vor solch einem modischen Fehltritt keinen Halt machte, sie bereits alle ausverkauft sind. Für die Tierschützer unter uns: ich meine selbstverständlich Kunstpelz. Mal abgesehen davon, dass ich keinen Pelz tragen wollte, denke ich auch nicht, dass man dies als Studentin könnte.

Zurück zur Kopfbedeckung. Es ist ja nicht so, dass es gerade eine Fellmütze sein müsste. Eine ganz normale -halbwegs ansehnliche- Wollmütze hätte es auch schon getan. Aber selbst in einer so großen Stadt wie Berlin ist das nicht so leicht, wie ich dachte. Entweder die Mütze ist so bunt, dass ich mir vollkommen deplatziert im doch recht grauen Berlin vorkomme, so als hätte ich den rheinischen Karneval mit seinem Rosenmontagsumzug schon in die S-Bahn in Richtung Alexanderplatz verlagert. Oder die Mütze sieht farblich dezent aus, man setzt sie freudestrahlend ob der bald warmen Ohren auf, und beim Absetzen kommt das böse Erwachen… dieses leise Knistern, ja es sind meine Haare. Acryl und längere Haare sind wahrlich keine guten Freunde, und man scheint für einen Moment doch sehr „geladen“ zu sein – im doppelten Wortsinne.

Folglich bin ich weiterhin ohne Kopfbedeckung, schaue mir im Zug auf der Fahrt nach Hause neidisch die ganzen Leute an -mit ihren kuscheligen oder dicken Mützen-, die nach warmen Ohren aussehen und hoffe, dass bald ein bisschen wärmere Luft aus dem Westen hierher kommt. Die Mützen-Dichte kann bereits jetzt schon kaum mehr ansteigen. Sie könnte sich nur noch auf 100% erhöhen, wenn eine nette, kleine und einsame Mütze meinen Weg kreuzen sollte.  Aber selbst dann rutsche ich auf glatten Sohlen wahrscheinlich an ihr vorbei, da die Bürgersteige hier einer nicht enden wollenden Eisbahn gleichen. Also, Spikes werden auch gesucht!

 

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