fantasmagorique

- être dans la lune

Janus 18 August, 2007

Gespeichert unter: Irland — fantasmagorique @ 1:41

Nachdem ich mir vor einigen Tagen noch den Kopf über ein begrenztes Gewicht für ein zeitlich begrenztes Leben an einem anderen Ort zerbrochen habe, ist dieser Kopf nun zu einem Janus-Kopf geworden. Er schaut nach hinten und nach vorn. Zumeist schaut er schon nach vorn, denn diese unbändige Neugier auf das was mich wohl erwarten wird, ist nicht zu verbergen. Mit jedem weiteren Erfahrungsbericht anderer Studenten, die bereits schon in Irland waren, wächst die Spannung. Es gibt da einige Besonderheiten, die mir zugegebener Weise schon im ersten Moment ein Lächeln entlockt haben.

Hier ein kleiner Vorgeschmack:  “… Busfahren ist in Irland auf den ersten Blick eine Wissenschaft für sich. Aber wenn man erst einmal raus hat, dass es nicht nach deutschen Maßstäben funktioniert, dann kann man sich relaxt zurücklehnen, und so gut das in Regen, Wind und Kälte denn geht, entspannen. Der kommt schon irgendwann.

Hier nun die Bedienungsanleitung zum Busfahren:

  1. Man stellt sich an Bushaltestellen schön in der Schlange an. Wenn die Schlange sehr lang ist sollte man bedenken, dass nicht immer alle auf denselben Bus warten.
  2. Busse halten nicht von alleine. Man muss, wenn die eigene Linie ankommt seinen Arm ausstrecken und in Richtung Fahrbahnmitte zeigen. Dies ist das Zeichen für den Busfahrer, dass Du mitfahren willst bzw. er anhalten soll.
  3. „Exact Fare – No Change Given“. Diese Aufschrift prangt vorne an jedem Bus. Soll heißen, Du musst die Fahrt passend in Metallgeld bezahlen wenn Du einsteigst. Meistens muss man 1,20€ zahlen (es gibt einen Staffeltarif je nachdem wie viele Haltestellen Du fahren willst, das wird aber nicht zu eng gesehen). Außerdem wirft man das Geld in eine Metallvorrichtung in der der Fahrer es zwar sehen kann, er zählt es aber nicht wirklich nach. Man kann also einfach reinlatschen, „one twenty please“ sagen, ein bisschen Kleingeld in den Schlitz werfen und niemand wird einen aufhalten.
  4. Man weiß nie, wo man sich gerade befindet, weil es weder durchgesagt wird, noch gibt es einen Plan im Bus oder gar an den Haltestellen. An den meisten steht es noch nicht mal dran, wenn man aussteigt. Man sollte also eine gute Beschreibung haben, wo man aussteigen soll, wenn man sich (besonders im Dunkeln) in unbekannte Gegenden vorwagt. Man muss also im richtigen Moment auf  Stopp drücken und dann auch nach vorne zur Tür gehen, da der Busfahrer sonst nämlich nicht anhält.
  5. Letzter Buspunkt: Wenn ihr einen Plan mit Fahrzeiten an der Bushaltestelle findet, so sind das nicht etwa, wie man ja annehmen könnte - wenn man sich nicht auskennt- die Zeiten, an denen der Bus an der Haltestelle ist, nein. Denn an den Haltestellen stehen nur die Zeiten, wann die Busse am Beginn ihrer Linie losfahren. Die Zeit, die sie von dort bis zu Dir brauchen musst Du nun einfach abschätzen und wenn der Bus halt später kommt ist es nur Deine Schuld, weil Du den Straßenverkehr mal wieder nicht richtig eingeschätzt hast.”

(Wenn also das nächste mal hier in Deutschland ein Bus nicht ganz pünktlich ist, sollte man sich einfach in Erinnerung rufen, dass es auch noch ganz anders gehen kann.) 

Für den Fall, dass es wirklich so sein sollte, wie im obigen Textauszug beschrieben, so könnte aus dem dezenten Lächeln schon ein mehr als amüsiertes Lachen werden. :-)

 Der Janus-Kopf. Wie gesagt, er schaut auch manchmal nach hinten – für einen Moment. Aber das ist auch nicht zu vermeiden in dieser Zwischenphase. Es sind nun noch zwölf Tage bis zum Abflug, und ich weiß nie so recht, was ich machen soll während dieses Schwebezustandes. Die Zeit ist zu kurz, als dass man es als Gefühl der Zielferne verspüren könnte. Gleichzeitig ist der Zeitraum zu lang, um sagen zu können, dass es schon fast soweit ist. Und was bleibt? Gedanken …  unendlich viele, und z.T. auch  nicht notwendig. Aber das gehört einfach dazu. 

 

One Response to “Janus”

  1. Der Busfahrer Says:

    Dich mit zwei Köpfen vorzustellen löst schon ein kleines Lächeln aus;-) Janus ist auch der Namensgeber für den Januar. So hoffe ich doch sehr, dass der Januskopf Dich weiter voran, voran in einen neuen Abschnitt Deines Lebens bringt. Und wenn Du mal einen Bus verpasst oder eine Haltestelle zu spät aussteigst, so ist dies nicht schlimm. Denn auch dies wird einen bestimmten Grund haben. Vielleicht erlebst Du gerade dadurch die ganz besonderen Momente. Du wirst alle Augenblicke in Irland aufsaugen, da ist es egal, zu welcher Zeit Du an welchem Ort gerade bist. Genieße die Zeit, schaue nach vorn, das was Du zurück lässt wird Dir folgen oder warten, bis Du zurück bist.


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